Geschichte zu Eggersberg

Vor- und Frühgeschichte

Geschichte EggersbergDas Altmühltal war mit seinen fruchtbaren Seitentälern, seinen fischreichen Bächen und sanften Hügeln bereits in der Vor- und Frühgeschichte ein beliebtestes Siedlungsgebiet.

Zur Zeit der Kelten, etwa im 8.Jhd. vor Christus, entstanden ganze Keltenstädte, „oppida“, so etwa auf dem vom Aussichtsfelsen der Burg Eggersberg quer zum ehemaligen Bett der Ur-Donau liegenden „Wolfsberg“. Auch am Fuße des Burgfelsens von Eggersberg sind keltische Besiedlungen zu finden.

Der Nachweis hierfür wird mit der Ergrabung eines großen keltischen Gräberfeldes während des Baus des Rhein-Main-Donau-Kanals erbracht. Aus dessen Grabbeigaben ist z.B. der längste bekannte, keltische Bronzegürtel im Eggersberger Hofmark-Museum zu bestaunen.

10. Jahrhundert

Ab dem 10. Jhdt. wird Eggersberg als Veste erwähnt.

12. Jahrhundert

Konrad der Nussberger

Eggersberg taucht in der Literatur auf. Die Nussberger, Dienstmannen der Grafen von Bogen, erscheinen als Herren auf Eggersberg.

Wappen - Ludmilla von Bogen

Durch Ludmilla von Bogen gelang übrigens deren Wappen, die „weißblauen Wecken“ (Rauten), in das wittelsbachische Hauswappen.

14. Jahrhundert - erste Hälfte

Die Burg Eggersberg gelangt in den Besitz der bayerischen Herzöge, die sie an die Herren von Wolfstein als Lehen geben. Die Sulzbürg-Wolfsteiner zählten damals zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern der Oberpfalz. Im Laufe der Jahrhunderte gelang ihnen der Aufstieg von einfachen Reichsdienstmannen (Ministerialen) in den Reichsfürstenstand.

Wappen Sulzbürg-Wolfsteiner

Das heutige Wappen von Sulzbürg. Die beiden roten Löwen erinnern an eines der bedeutendsten Herrengeschlechter dieser Gegend, die Wolfsteiner, deren ältestes, seit 1292 bekanntes Siegel übereinander zwei Löwen zeigt, von denen der obere schreitend, der untere aufgerichtet dargestellt ist. Die ursprüngliche Feldfarbe des Wappens war Silber. Das Geschlecht der Wolfsteiner starb 1740 aus. Es lebt im Kreiswappen der ehemaligen reichsunmittelbaren Wolfsteiner Herrschaften Sulzbürg und Pyrbaum fort.

{slide=weiterlesen...|closed|grey}

Der früheste bekannte Vertreter dieses Geschlechtes ist Gottfried v. Sulzbürg (=1259), der erstmals 1217 als Reichsministeriale urkundlich erwähnt ist. Als Verwalter von Reichsgütern im Neumarkter Raum gelangte er zu Ansehen und Macht. Durch seine geschickte Heiratspolitik, er war zweimal mit Frauen aus dem Hochadel verehelicht, vermehrte er seinen Einfluss und Besitz.

Ganz im Stil des hohen Adels gründete er Seligenporten als Hauskloster und bestimmte es zur Grablege der Familie. Das große Selbstbewusstsein Gottfrieds v. Sulzbürg-Wolfstein zeigte sich auch im Thronstreit der Jahre 1246/56, als er sich auf die Seite der Gegenkönige schlug und dafür mit weiteren Einkünften belohnt wurde.
Mit dem Tod des Reichsgrafen Christian Albrecht v. Wolfstein (=1740) erlosch das Geschlecht in männlicher Linie. Sämtliche Reichsgüter, die die Wolfsteiner besessen hatten, gingen laut Vertrag an das Kurfürstentum Bayern über. Der Eigenbesitz (Allodien) der Familie konnte nach langen Auseinandersetzungen schließlich ebenfalls vom bayerischen Kurfürsten erworben werden.

{/slides}

14. Jahrhundert - zweite Hälfte

 die Herren von Hilpoltstein werden als Eigentümer der Burg Eggersberg genannt.

Wappen der Stadt Hilpoltstein

Die Stadt an Main-Donau-Kanal und Rothsee kann bereits auf eine über 1000jährige Geschichte zurückblicken. Als eigentliche Begründer der "oppidum in Lapide" um 1280 gelten Heinrich von Stein und sein Sohn Hilpolt I. aus dem Geschlecht der Herren von Stein. Ihre machtvolle Stellung beruhte auf ihrem Status als Reichsbeamte der Staufer und später der Wittelsbacher. Heinrich von Stein (1254-1265) verwaltete in seiner Eigenschaft als Reichsbutigler die kaiserlichen Güter in Franken.

Ende 14. Jahrhundert

Im letzten Drittel des 14. Jhdt. veräußerten die Hilpoltsteiner die Burg Eggersberg an die Herren von Lichteneck, die heute noch in Niederbayern mit der Linie der Grafen v. Preysing-Lichteneck-Moos blühen. Die Herren von Lichteneck gaben allerdings auf Eggersberg nur ein kurzes Gastspiel.

Bei der Teilung der bayerischen Lande unter die Söhne Herzog Stephans 1392 kam Eggersberg mit Riedenburg, Stadtamhof, Reinhausen, Regenstauf, Schwandorf, Rieden, Velburg, Hemau u. a. an den Herzog Johann von Bayern-München.

Der Ritter Wilhelm der Fraundorfer erwirbt den Sitz auf Eggersberg, nach ihm der Ritter Ulrich Muracher von Murach. Die Muracher, die auch das auf der anderen Seite von Eggersberg auf einem Felsvorsprung sitzende Schloss Flügelsberg innehatten, taten sich unter anderem auch mit Ihrer Beteiligung am Aufstand des „Löwlerbundes" gegen den bayerischen Herzog Albrecht hervor.

1417

Balthasar Muracher wird noch als Herr auf Eggersberg genannt. Die Muracher tun sich als gefürchtete Raubritter hervor. Ein Auszug aus der bayer. Cronica beklagt noch 1561:

„Dieser Zeit nehret sich der Adel in Bayern aus dem Stegreif“
(Raubrittertum).

{slide=weiterlesen...|closed|grey}

Die Muracher erfreuten sich in jenen Tagen durch ihre Raubzüge und blutigen Fehden in der ganzen Gegend einer gefürchteten Berühmtheit. Konrad der Muracher auf Flügelsberg, wird in der Fehde mit dem Ritter Heydeck von diesem von 1385 bis 1394 gefangen gehalten. Ulrich von Murach raubt 1407 Augsburger Kaufleute aus. Jörg, Friedrich und Erhart von Murach überfallen 1437 sogar die Pfalzbayerische Herrschaft Helfenberg bei Velburg und berauben sie. Dabei kam ihnen der Umstand zugute, dass der Besitzer dieser Pfalz, Kurfürst Ludwig III., im Dezember 1436 verstorben war.

Ein besonders lohnendes Objekt für Raub- und Beutezüge waren auch die Handelsstraßen von Regensburg über Hemau nach Nürnberg und selbstverständlich auch der Handelsweg vor ihrer Haustür, nämlich die Route Abensberg-Kelheim-Nürnberg durch das Altmühltal, vorbei auch an Eggersberg, wobei in erster Linie Nürnberger Kaufleute die Leidtragenden waren.

Das Jahr 1446 brachte schließlich das Fass zum Überlaufen. Die Nürnberger erklärten den Raubrittern den Krieg! Im gleichen Jahr noch erscheint ein Vergeltungsheer der Nürnberger und brennt die Flügelsburg nieder, welche aber später wieder aufgebaut wurde. Das gleiche Schicksal erleiden die Burgen der Ritter zu Altmannstein und Hagenhyl.

Nach Balthasar von Murach, dem letzten dieses rauen Geschlechts auf Eggersberg, folgt dann

{/slides}

1435

der Edle Herr Heimeran Muggenthaler und wird neuer Burgherr auf Eggersberg. Herzog Wilhelm von Bayern belehnt im Übrigen im Jahre 1529 die Familie v. Muggenthal mit dem im Schambachtal liegenden Schloss Hexenagger.

Die Muggenthaler tun sich dort hervor und bauen Schloss Hexenagger und dessen Kapelle nach der Zerstörung durch die Schweden im 30jährigen Krieg durch Erhart v. Muggenthal 1625/29 auf den alten Mauerresten wieder neu auf. In Folge der nächsten Jahrhunderte schaffen es die Muggenthaler bis in den Stand der Reichsfreiherren.

1480

Grafschaft Pappenheim

gelangt der Marschall Georg von Pappenheim in den Besitz von Eggersberg und verkauft das Anwesen bereits im Jahre

1485

 Grafen Jörg von Helfensteinan den Grafen Jörg von Helfenstein. Dieser zeigt allerdings wenig Interesse an der Burg und überlässt sie dem Verfall auch deshalb, weil er sich seiner neuen Ehefrau, der Witwe von Johann von Hexenagger widmet, über die er in den Besitz von Schloss Hexenagger kam.

Die Gräfin Helfenstein bittet im Bauernkrieg den Rädelsführer Jäcklein Rohrbach um Gnade für ihren Mann. Kupferstich von Matthäus Merian d. A.

Mitte des 16. Jahrhunderts

Löwlerkrieg - Herzog Albrecht IV

 wird die Burg Eggersberg als „wüst und zerfallen“ zerfallen beschrieben, vermutlich wurde sie auch im Löwlerkrieg beschädigt.

Der „Löwlerkrieg“

{slide=weiterlesen...|closed|grey}

Herzog Albrecht IV., der in der Geschichte ‚der Weise’ genannt wird, schrieb im Jahre 1488 eine allgemeine Steuer aus, um dadurch ein ständiges Heer werben und besolden zu können. Der niederbayerische Lehensadel, darunter auch die Parsberger zu Flügelsberg, auf seine in alten Freibriefen gestützten Rechte pochend, lehnte diese Steuerverordnung ab und forderte für ihren Stand die völlige Steuerfreiheit. Herzog Albrecht aber wies diese Forderung energisch zurück.

Daraufhin versammelten sich in Cham 46 Ritter und gründeten den „Bund der Löwenritter“ mit der Zielsetzung, sich offen gegen den Herzog zu erheben. Die Zahl der Löwenritter vermehrte sich schnell, die Spaltung im Lande wuchs mit jedem Tag. Sogar die jüngeren Brüder des Herzogs traten dem Löwlerbund bei, da der Herzog auch ihre Machtansprüche nicht anerkannte.

Die Ritter, aufgrund ihrer vermeintlichen Übermacht von Siegeshoffnungen erfüllt, wagten im Oktober 1491 den offenen Aufstand gegen Herzog Albrechts Besitzungen im Regensburger Land. Sie überfielen Albrechts Güter und Dörfer bei Regensburg, plünderten sie aus uns nahmen seine Leute gefangen.

Indes sammelte der Herzog all seine Getreuen und Verbündeten um den Aufstand niederzuwerfen. Mit einer 2000 Mann starken und mit 30 Geschützen ausgerüsteten Streitmacht zog er am 21.Dezember 1491 von München nach Regensburg um dem frevelhaften Tun und Treiben der Löwenritter ein Ende zu setzen.

Nachdem im Regensburger Raum die Ordnung wieder hergestellt war, zogen die „Herzoglichen“ weiter nach Prunn, Riedenburg, Eggersberg, Flügelsberg und Ehrenfels bei Beratzhausen. Flügelsberg war übrigens Hauptsitz der Löwenritter und hatte die stärkste Besatzung erhalten, zu deren Unterhalt Speisen und Getränke in Fülle herbeigeschafft worden waren, welche von den überfallenen herzoglichen Dörfern stammten.

Kurz vor Beginn des eigentlichen Kampfgeschehens trafen sich die Löwenritter noch auf Burg Prunn, dessen Burgherr Wolf der Fraunberger war, um Kriegsrat zu halten. Dieser hatte Kunde von des Herzogs Erfolgen und riet deshalb zur Aufgabe des ungleichen Kampfes. Die stolzen und vom Irrwahn befallenen Ritter, insbesondere die Flügelsberger Hans und Georg v. Parsberg, wollten davon nichts wissen, vielmehr überschütteten sie den Fraunberger nur mit Spott und Hohn wegen seiner, aus Sicht der Ritter, vermeintlichen Feigheit.

Die bittere Erkenntnis, dass der Fraunberger zu Prunn nur allzu Recht hatte, mussten die Flügelsberger eine Woche darauf am eigenen Leibe erfahren.

Im Gegensatz zum Fraunberger, der sich kampflos dem Herzog ergab, und dessen Burg heute noch steht, konnten die Flügelsberger ihre Burg nicht retten. Am gleichen Tage noch zogen die Herzoglichen weiter nach Riedenburg und bezogen dort Nachtquartier. Beim Morgengrauen des nächsten Tages teilte der Herzog seine Streitmacht in drei Kampftruppen auf. Eine derselben drang in der Einsattelung zwischen der Riedenburg (Rosenburg) und dem Tachenstein hinauf zur Hochfläche von Burg Eggersberg, dessen Burgherr seinerzeit Ritter Veit von Muggenthal war, um sie von oben her anzugreifen.

Zuvor aber wurde Burg Rabenstein im Handstreich genommen, sein Besitzer, der Ritter Hans Pflug von Rabenstein wurde dabei gefangen genommen. Währenddessen zogen die beiden anderen Einheiten talaufwärts gegen Eggersberg und Meihern. Bei Gundlfing zweigte eine starke Abteilung ab, welche die Aufgabe hatte, Flügelsberg von Norden her einzuschließen und eine wirksame Beschießung vorzubereiten.

Zur selben Zeit wurde die Burg Eggersberg von beiden Seiten berannt und nach geringer Gegenwehr erstürmt. Vorausabteilungen waren bereits im Gebiet von Meihern und Deising versammelt, um sich auf die schwere Aufgabe, die Flügelsburg zu nehmen, vorzubereiten. Damit die Abteilung, die von Norden her nach Gundlfing kam, sich auf Schussweite nähern konnte, veranstaltete man im Heerlager, das sich unweit der Höfe nahe der Altmühl befand, ein unbekümmertes und ausgelassenes Treiben.

Von den umliegenden Gehöften wurden Bier, Wein, Fleisch und Brot herbeigeschafft, um so den Eindruck zu erwecken, man beabsichtige keine weitere Kampfhandlung. Die Ritter auf der Flügelsburg durchschauten diese Kriegslist nicht und lehnten ein Ultimatum von Herzog Albrecht ab. In der trügerischen Meinung, ihre Burg wäre uneinnehmbar, beantworteten sie ein zweites Ultimatum nur mit Hohngelächter. Damit war das Schicksal der Flügelsburg besiegelt.

Auf das vereinbarte Zeichen hin und dem Schlachtruf „Frisch auf“ (Name des Meiherner Dolomitfelsens) wurde die Burganlage, welche sehr weitläufig gewesen sein muss, von allen Seiten beschossen und berannt. Erst am dritten Tage (6.1.1491), nachdem die Reihen der Verteidiger durch zahlreiche Ausfälle schon arg gelichtet waren, gelang es den Sturmtruppen des Herzogs, ebenfalls unter großen Verlusten, den dritten und letzten Abschnittsgraben zu überwinden und den Rest der Besatzung in den Burghof zurückzudrängen. Dabei gab es nochmals ein kurzes und fürchterliches Gemetzel.

Aufgrund der zu großen Übermacht musste die mit „Löwenmut“ kämpfende Restbesatzung den ungleichen Kampf aufgeben. Neben den beiden Rittern Hans und Georg v. Parsberg wurden noch 18 Knappen und Landsknechte gefangen genommen.

Der Hausrat der Ritter wurde auf 12 schwer beladenen Wagen nach Dietfurt gefahren und dort der Obhut der Bürgerschaft übergeben. Die Parsberger aber wurden gefesselt und an einen Pferdewagen gebunden. Sie mussten zu Fuß den Marsch in die Gefangenschaft nach München antreten, wo sie ein Jahr lang im Falkenturm eingesperrt wurden. Ihre Burg aber wurde, nachdem alles Brauchbare entfernt war, in Brand gesteckt.

Nachdem dies alles geschehen war, zogen der Herzog und seine Truppen weiter nach Burg Ehrenfels bei Beratzhausen, um den letzten der aufständischen Löwenritter, Bernardin von Stauff zu Ehrenfels, mit dem gleichen Schicksal zu bestrafen. In diesem nur 30 Tage währenden Winterfeldzug hatte Herzog Albrecht IV. die Schuldigsten der aufständischen adeligen Ritter furchtbar gezüchtigt und des gesamten Löwlerbundes Mut und Stärke gebrochen. Sie unterwarfen sich einzeln dem Landesfürsten und dieser nahm sie alle wieder in Gnaden auf. Von da an wurde es um die Parsberger recht still. Anstelle der zerstörten Flügelsburg bewohnten sie nunmehr ihren Meyer-Hof zu Füßen des Berges in Meihern, bauten diesen zu einem ansehnlichen Wohnschloss um und nannten sich fortan „Herren von Meyern, genannt Fligelsperg“.

{/slides}

16. Jahrhundert

Büste Leonhard v. Ecks in der Ruhmeshalle, München

 Leonhard von Eck (* 1480 in Kelheim; † 17. März 1550) bekam im ersten Drittel des 16.Jh. die Hofmarken Eggersberg und Wolfseck übertragen. Er war einer der bedeutendsten Politiker Bayerns seiner Zeit. Seine vielschichtige, immer auf das Wohl seines Dienstherren und des Landes Bayern ausgerichtete Politik zeigte weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus Wirkung und höchste Anerkennung.

.Leonhard v. Eck, aus „niederem, nichtturnierfähigem Adel“ stammend, promovierte in Bologna zum Doktor beider Rechte (juris utriusque).

Herzog Wilhelm IV. von Bayern berief ihn 1514 in seine Regierung. Dort war der Hofrat (‚erster täglicher Rath’) als engster Berater des Herzogs die wichtigste Figur am bayerischen Hofe.

Er prägte über 35 Jahre das politische, wirtschaftliche, religiös-geistige und soziale Leben Bayerns in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entscheidend mit. Die ersten, wirksamen Ansätze einer behördlichen Zentralverwaltung in Bayern stammen von dem Eggersberger Leonhard von Eck. Dass Bayern katholisch blieb und sich in den folgenden Jahrzehnten die Stellung als bedeutendste der katholischen Mächte in Deutschland erwarb, war ein Werk Leonhards von Eck, der den Grundstein dafür legte.

Man beschreibt Leonhard v. Eck auf Eggersberg und Wolfseck wie folgt: {slide=weiterlesen...|closed|grey}

„Seinen Dienstherren nannte er EFG, Euer Fürstliche Gnaden, was schon seinen Sinn für Ökonomie verrät. Leonhard von Eck, aus niederem, nicht turnierfähigem Adel, wie das damals hieß, durfte sich solche lässigen Kürzel erlauben. Er war fünfunddreißig Jahre lang die wichtigste Person am herzoglichen Hof in München.

Wilhelm IV. von Bayern hatte ihn 1514 in sein Regierungsgremium berufen. Eck bekam den Titel „täglicher Rat zu München“ und dazu noch freie Logis, ein Winter- und ein Sommergewand und zwei Pferde.

„Täglicher Rat“ bedeutete, dass man täglich zur Verfügung stehen musste, im Gegensatz zu den „erfordert Räten“, den Herren aus turnierfähigem Adel, die nur bei Aufforderung erscheinen mussten, und den so genannten „Quatemberräten“, die nur viermal im Jahr an den Hof gerufen wurden. Natürlich hatten die täglichen Räte den größten Einfluss, und unter ihnen war Eck der bedeutendste.

Am 17. März 1480 geboren, in Bologna zum Doktor beider Rechte promoviert, war Leonhard von Eck ein ehrgeiziger und hochbegabter Mann. Und nach einem Porträt von Bartel Beham war er auch ein Mann von eiserner Rücksichtslosigkeit.

Allerdings war auch sein Dienstherr, Herzog Wilhelm, keineswegs zart besaitet. Als er mit 18 Jahren an die Regierung kam, stellten die Landstände erstaunt fest, „er habe ein gar streitig und eigenwillig Gemüt“, und ein Gesandter aus Hessen bemerkte: „Das ist ein hochmütig Fürst, der nie will geirret haben.“

Habsburger Kaiser

Dass es dann doch noch klappte in der Zusammenarbeit zweier so eigenwilliger Mannsbilder, lag vor allem daran, dass Wilhelm erkannte, dass er dem Rat Leonhard von Eck getrost die Tagespolitik anvertrauen und sich den fürstlichen Freuden der Kunst, der Jagd (auch auf Eggersberg, das damals in stark bewaldetem, mit viel Hochwild bestücktem Gelände lag), des Turniers und des Tafelgenusses widmen konnte. Beiden Männern war klar, dass die bayerische Politik von zwei Prinzipien bestimmt sein musste: Eindämmung der habsburgischen Expansionsgelüste und Abwehr der Reformation. So kam es, dass sich gerade dieser bayerische Kanzler Leonhard von Eck auf Eggersberg, Wolfseck etc., zu einem der schärfsten Gegner des habsburgischen Kaisers Karl V. entwickelte.

Dabei war Leonhard von Eck, der humanistisch gebildete Staatsmann, durchaus liberal. „Man sollt ein jeden nach seinem Gewissen glauben lassen“, das war sein persönlicher Standpunkt. Doch offiziell baute er mit großer Kraft die Macht der katholischen Kirche in Bayern aus.

Er war der eigentliche Erfinder des Mottos „Cuius regio, eius religio“, wer das Land regiert, bestimmt auch seine Religion. Unmittelbar nachdem der Kaiser 1521 die Reichsacht über Martin Luther ausgesprochen hatte, begann Leonhard von Eck mit der systematischen Konfessionalisierung. Er schuf den frühabsolutistischen Staat, in dem politische und konfessionelle Identität miteinander verschmolzen.

Am fürstlichen Hof bestimmte er, wo es langging. Jeder, der beim Herzog irgendetwas erreichen wollte, sei es ein Amt, sei es nur eine Audienz, musste bei Eck vorstellig werden. Er nahm dem Herzog die Last der täglichen Regierungsgeschäfte ab und beschränkte dessen Pflichten auf die Repräsentation – ein Konzept, das Wilhelm sehr entgegenkam. Allerdings – Macht und Einfluss Ecks hingen allein von EFG ab, Euer Fürstlichen Gnaden.

Das bedeutete, dass Eck sein Leben lang eifersüchtig über die Gunst seines Herrn wachte. Die Angst abzustürzen hat den ehrgeizigen Aufsteiger Eck immer begleitet. Selbst nach dreißig Jahren wird er noch unruhig, wenn der Herzog seinen „täglichen Räten“ Wildbret schickt und dabei nicht ein extra großes Stück für ihn abfällt. Gleich beschwert er sich: „Haben die, die das Wildbret austragen, sich geirrt, oder habe ich um EFG, Euer Fürstlichen Gnaden, nicht so viel verdient wie andere Räte?“

Doch die Angst ist unbegründet, sein Herzog hält zu ihm, so lang er lebt. Und als er stirbt, folgt ihm sein Eggersberger Vasall, Leonhard v. Eck, vier Tage später, am 17. März 1550, nach“

Chancellor Leonhard von EckChancellor Leonhard von Eck (1480–1550),
1527, by Barthel Beham (German, 1502–1540)
Oil on wood; 22 1/8 x 14 7/8 in. (56.2 x 37.8 cm)
Collection John Stewart Kennedy Fund, 1912

{/slides}

Literatur: Tabelle

  • Bibliographie zur deutschen Geschichte im Zeitalter der Glaubensspaltung 1517-1585, hrsg.v. Karl Schottenloher Bd. III, Reich und Kaiser, Territorien und Landesherren, Leipzig 1936 Nr. 29422-29437, ders. Bd. V,
  • ders. Geschichte Baierns, 8 Bde., II-VIII Gotha 1880-1914; I Stuttgart 2 1927, Bd.IV;
  • Walter Peter Fuchs, Baiern und Habsburg 1534-1536, in ARG 41 (1948), 1-32; - ARC I ff;
  • Das konfessionelle Zeitalter. Erster Teil: Die Herzöge Wilhelm IV. und Albrecht V., in: Handbuch der Bayerischen Geschichte hrsg.v. Max Spindler, Bd.2 München 1969, 297-346, hier: 227-335

1595

Egersperg

Auf Leonhard v. Eck folgt Wilhelm Jocher von Egersperg, Jurist, herzoglich-bayerischer Rat und Pfleger zu Dachau, der sich auch namentlich nach seinem neuen Besitz Jocher v. Egersperg nannte. Geboren wurde er in Mauterndorf, Salzburg, am 15. November 1565 und er verstarb am 03. Mai 1636 in München.

Er beginnt den Bau des neuen Schlosses Eggersberg, der – nach Zimmermannsbeschlägen im Dachstuhl – 1604 vollendet wurde.

Wilhelm Jocher v. Egersperg studierte zur gleichen Zeit wie der spätere bayerische Herzog und Kurfürst -Maximilian I. Rechtswissenschaften in Ingolstadt. Nach der Promotion 1592 war Jocher bis 1604 Assessor des Bayerischen Kreises am Reichskammergericht tätig.

{slide=weiterlesen...|closed|grey}

1604 trat er in die Dienste Herzog Maximilians I. 1611 wurde er zum Geheimen Rat ernannt. Als wichtigster Ratgeber Maximilians begleitete der humanistisch gebildete, streng religiöse Jocher die bayerische Reichs- und Außenpolitik mit scharfsinnigen, bisweilen spitzfindigen juristischen Stellungnahmen.

Seit seiner Verteidigung des Reichshofrats im Streit um Donauwörth wurde er auch am Kaiserhof geschätzt. 1620/21 beriet er den Kaiser in Fragen der Achterklärung gegen Friedrich V. Zwischen 1621 und 1628 war Jocher der große Gegenspieler des pfälzischen Rats Ludwig Camerarius im Kanzleienstreit. Am bayerischen Hof geriet Jocher mit seinem Sinn für die realistischen Möglichkeiten immer wieder in Gegensatz zu Maximilians doktrinärem Beichtvater Contzen, auch weil er sich in Frontstellung zu diesem Befürworter von Hexenverfolgungen energisch für deren Eindämmung einsetzte. 1636 starb Jocher in München.

Sein Sohn Adam Jocher, seines Zeichens ebenfalls herzoglicher Rat, lässt die ruinöse Burg abbrechen und wohnt im „Neuen Schloss“, so wie es heute noch besteht.

{/slides}

1684

Adam Jocher v. Egersperg hat sich mit verschiedenen Geschäften übernommen und ging „in den Gant“, (d.h., er machte Konkurs), es folgte die Zwangsversteigerung des Jocher´schen Besitzes zu Eggersberg.

Für 13000 Gulden erwirbt ihn der Ingolstädter Rechstgelehrte Professor Dr. jur. utr. Dominikus Frhr. von Bassus , zusammen mit der Ruine Tachenstein und dem Schlossgut Sandersdorf. Baron v. Bassus kam seinerzeit aus Posciavo (Graubünden) und stammte von einem hochangesehenen Adelsgeschlecht.  

Sein Neffe, Thomas Frhr. v. Bassus, war seines Zeichens mit  Weißhaupt, der im inneren Zirkel den Namen „Spartacus“ trug, führendes Mitglied des damals berühmt-berüchtigten Ordens der „Illuminati“ . Weißhaupts Adjutant war   Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig von Knigge, der maßgeblich für die Verbreitung der Illuminaten in Adelskreisen sorgte.

Adolph Frhr. v. Knigge

Kupferstich der Hofmark EggersbergMit der Familie de Bassus beginnt die bisher längste Ära einer Besitzerfamilie auf Schloss Eggersberg, die bis in das Jahr 1947 andauern sollte.

rechts: Kupferstich von Michael Wening von Schloss Eggersberg, links oben mit dem Wappen derer de Bassus. Die Familie de Bassus, die sich bereits in ihren Stammlanden, Graubünden, Posciavo, als Kunstförderer und mit heute noch gelobten sozialen Taten hervortat, trat auch in Bayern als Mäzene des berühmten Komponisten Johann Simon Mayr und des Holzbildhauers Ignaz Günter hervor.

18. Jahrhundert

Johann Simon Mayr, "Komponist der Illuminati"Johann Simon Mayr, 1763 im kleinen Dorf Mendorf bei Altmannstein geboren, studierte und wirkte von 1773 bis 1787 in Ingolstadt. Als ein Zeitgenosse von Haydn, Beethoven und Rossini war er einer der berühmtesten Opernkomponisten um 1800.

Hören Sie hinein in die wunderschöne Musik des Komponisten Simon Mayr. Klicken Sie dazu auf die Noten:

Adelasia
Medea
Sisara
(Quelle: Internationale Simon Mayr-Gesellschaft e.V.)

Metropolen wie Rom und Mailand, London und Paris, Wien und Lissabon sahen seine Werke. Er gilt als "Vater der italienischen Oper". Napoleon bot ihm die Stelle des Operndirektors in Paris. Constanze Mozart bat ihm um die Ausbildung ihres Sohnes. Und Gaetano Donizetti war Mayrs berühmtester Schüler. Als Mayr 1845 in Bergamo starb, erwiesen ihm Giuseppe Verdi und Gioacchini Rossini die letzte Ehre.

Mayr schrieb, gefördert durch die Familie der Frhr. de Bassus auf Sandersdorf und Eggersberg, ca. 60 Opern und 600 weitere Kirchen- und Kammermusikwerke, die in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren.

Ignaz Günter

Am 22. November 1725 wurde der Rokoko-Bildhauer Ignaz Günther im oberpfälzischen Altmannstein geboren.
Mit 18 Jahren wurde er in München in die Werkstatt des Hofbildhauers Johann Baptist Straub aufgenommen, von dem er den Sinn für technische Raffinesse und für die gewisse nervöse Eleganz bekam, welche viele seiner Werke so beliebt machte.

1750 ging er auf Wanderschaft, die er, nach den Stationen Salzburg, Mannheim und Olmütz in Mähren, mit dem ersten Preis der Kaiserlichen Akademie in Wien abschloss. 1754 ließ er sich in München nieder, heiratete, kaufte sich ein Haus am Unteranger 11 und starb nach großen künstlerischen Erfolgen 1775, also mit erst 50 Jahren.

Ignaz Günther, der ebenfalls von den Baronen de Bassus gefördert wurde, gilt als der Gipfel- und Endpunkt der bayerischen Rokoko-Plastik.

Einige der herausragendsten Werke des Schnitzers und Bildhauers Ignaz Günther:

  • 1752, Ausstattung der Pfarrkirche von Koprivná/Geppersdorf
  • 1756, er schnitzt den Hochaltar der Stiftskirche Neustift, Freising
  • 1761/62, es folgt der Hochaltar der Benediktinerabtei in Rott am Inn
  • 1763 die Schutzengelgruppe der Bürgersaalkirche in München stammt von ihm, Exponate dazu sind im Bayerischen Nationalmuseum in München zu sehen
  • 1763/64 im Augustinerchorherrenstift in Weyarn schnitzt er den Altar, die Verkündigungsgruppe und die Pieta
  • 1763/64 die Wallfahrtskirche St. Anna, München-Harlaching bekommt von ihm die Altäre und die Kanzel
  • 1763/64 er stattet die Heiligkreuzkirche seines Heimatortes Altmannstein aus
  • 1767 die Altäre der Klosterkirche Altenhohenau werden von ihm geschnitzt
  • 1766-68 wieder entwirft und baut er einen Hochaltar: in der Kirche in Starnberg
  • 1768-70 und danach den Hochaltar der Kirche in Mallersdorf
  • 1774 sowie die Pieta in der Friedhofskapelle in Nenningen

1726

Freiherr Joseph von Bassus, Herr auf den Hofmarken Sandersdorf, Harlanden, Eggersberg und Tachenstein, lässt in Ober-Eggersberg ein Gotteshaus, die hl. Kreuz-Kapelle, errichten. Eine bescheidene Monstranz dieser Kapelle, die als Reliquie einen verifizierten Partikel des Kreuzes Christi enthält, ist heute Bestandteil des "Hofmark-Museums" der Robert-Weigand-Kulturstiftung, das im Marstall des Schlosses Eggersberg untergebracht ist.

1806

teilweiser Einsturz des Kirchleins mangels Instandhaltung. Eine Kapelle wird im Schloss eingerichtet., die wenige Jahre danach profaniert wird. An ihre Stelle rückt die Kapelle, die in den Alten Pfarrhof eingebaut. Dieser zum Schloss Eggersberg gehörende Pfarrhof wurde von Baron de Bassus bei dem bedeutenden Hofbaumeister Gabriel di Gabrieli 1722 in Auftrag gegeben (sogenannter Axialbau).

(nach Baden-Württemberg im Jhr. 1805 wird auch Bayern Königreich von „Napoleons Gnaden“.)

Das Schloss Eggersberg erlebt einen Stillstand während der Kriegsjahre des ersten Weltkrieges. Zwischen den beiden Kriegen gibt Baron Bassus die Verwaltung des Hauses in die Hände des Majors von Echterstab.

Nach dem 2. Weltkrieg folgen unbefriedigende Nachkriegsjahre, Schloss Eggersberg wird als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. Die Zeiten haben die Ausstattung leiden lassen. Der historische Bau ist gefährdet.

1962

Dr. jur. utr. Robert F.E. Weigand (Gründer und Ehrenvorsitzender der DBV-Landesgruppe Bayern, Gründungsmitglied des Bayerischen Landesdenkmalrates u.a.) erwirbt das Schloss Eggersberg und macht es durch die Einrichtung eines kleinen Hotel- und Gaststättenbetriebes sowie durch das Hofmarksmuseum der Öffentlichkeit zugänglich. Der erste, dem Dr. Weigand das Schloss als Gastronomie- und Hotelobjekt in Pacht übergibt, ist wiederum ein Baron Knigge.

1994

Die Westfassade des Hauses sowie der komplett ruinöse Marstall des Hauses werden nach allen Regeln des Denkmalschutzes mit hohem, finanziellen Aufwand saniert. Der Marstall wird komplett neu mit Juraschiefer gedeckt. Es entsteht mit 50 m Länge das längste Legschieferdach des Altmühltals.

In einem langen Sammlerleben stattet Dr. Weigand das Schloss und das Hofmarkmuseum mit teilweise seltenen und hochwertigen Exponaten aus. Um diese der Nachwelt zu erhalten, richtet er 2004 die „Dr.-Robert-Weigand-Kulturstiftung“ ein, die ihren Standort im Obergeschoss des ehemaligen Marstalles von Schloss Eggersberg zugewiesen bekommt.

Der Ort Eggersberg verdankt dem unermüdlichen Einsatz des Schlossherrn Dr. Weigand nicht nur die geteerte Straße, die über den alten so genannten Todensteig von Unter- nach Obereggersberg führt, sondern aufgrund des Bedarfes des Hauses auch weitestgehend die Elektrifizierung und den Anschluss an die Kanalisation, die über den zum Schloss gehörenden Sauberg führt.

In unermüdlichem Streben erhält er einen der schönsten Aussichtspunkte des unteren Altmühltals, den Burgfelsen der ehemaligen Burg Eggersberg, für die Öffentlichkeit.

Ab 2005

Schloss Eggersberg entwickelt sich immer mehr zu einem Standort für kulturelle Veranstaltungen, das Hofmark-Museum erfreut sich regen Zuspruchs und weitere Veranstaltungen, die nicht nur den Gaumen auf höchstem Niveau, sondern auch Herz und Geist erfreuen, stehen auf den Plänen der Familie.

Man darf freudig gespannt sein….

Hotel Schloss Eggersberg, Obereggersberg 18, D-93339 Obereggersberg b. Riedenburg
Telefon: +49 (0)9442 / 91 87-0 oder +49 (0)9442 / 91 87-11, Telefax: +49 (0)9442 / 91 87-87
info@schloss-eggersberg.de | IMPRESSUM